Beschreibung des Werks:
Eine Stelle ist ein besonderer Ort, an dem sich etwas befindet oder stattfindet.1 Beuys' STELLE liegt geradezu im Weg am Übergang von Raum 2 in Raum 3. Sie ist das einzige Werk in Block Beuys, das betreten werden darf. Viele Besuchende bleiben vorsichtig, laufen um das Kunstwerk herum oder steigen darüber hinweg. Andere hingegen animiert die STELLE zum neugierigen Betreten und Erspüren der Unterschiede zwischen elastischem Filz und hartem Kupfer. In jedem Fall konfrontiert das Werk mit dem Bewusstsein für das eigene Handeln.
Glaubt man dem Titel, dann ist das besonders wärme-, aber auch stromleitende Metall Kupfer vollständig mit Hochspannungswechselstrom aufgeladen. Eine Platte kann jedoch keinen elektrischen Strom speichern. Die vermeintliche Hochspannung wird lediglich suggeriert und erhöht so die Aufmerksamkeit der Betrachtenden. Einen Stromschlag muss glücklicherweise niemand befürchten.
Die zerkratzte, teilweise matte Oberfläche des Kupfers gibt über ihren vorherigen Gebrauch Rätsel auf. Deutlich zu erkennen sind Wischspuren, die vermutlich von Fettablagerungen stammen, wie es der Hinweis im Titel Fettfilzplastik nahelegt.
Deutung des Werks:
STELLE befindet sich direkt neben FOND III, in dem, der Deutung nach, bereits Energien und Potenziale übertragen, gespeichert und ausgetauscht werden. Dies setzt sich hier fort. Neben den neun Stapelelementen von FOND III wirkt die STELLE wie ein zehnter Stapel, dessen Vorrat an Filzmatten jedoch zur Neige gegangen ist. Möglicherweise hat er sehr viel Energie abgegeben? Die Maße der Kupferplatte sind identisch mit den Platten von FOND III. Im Gegensatz zu jenen liegt die Platte hier direkt auf dem Boden, umgeben von einzelnen geometrischen Filzzuschnitten. In diesem Umfeld können sie als Reste eines vorher aufgebrauchten Filzmatten-Stapels gedeutet werden. Übrigens kombiniert FOND 0 + Eisenplatte in Raum 3 ähnliche Elemente miteinander.
Joseph Beuys hat alle Übergänge der großen Räume in Block Beuys gezielt inszeniert – unter anderem mit den Werken Transsibirische Bahn in Raum 1, FOND III in Raum 2, Bergkönig in Raum 3 und STELLE (Fettfilzplastik) vollständig mit Hochspannungswechselstrom aufgeladene Kupferplatte. Für die große Retrospektive im Solomon R. Guggenheim Museum in New York (1979) ließ er STELLE ein zweites Mal anfertigen.2 Da der Filz mit der Zeit verschleißt, musste er bereits mehrfach ausgetauscht werden.
(1) Vgl. Caroline Tisdall (Hrsg.), Joseph Beuys, Kat. The Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1979, S. 160.
(2) Vgl. Eva, Jessyka und Wenzel Beuys, Joseph Beuys. Block Beuys, München 1990, S. 332. Das Werk befindet sich in der Sammlung Erich Marx, Hamburger Bahnhof, Berlin.
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