27 Vitrinen in Block Beuys
Die Vitrinen in Block Beuys erscheinen als »Zeigemöbel«: große Tische mit massiven Beinen und aufgesetzten Glashauben. Viele von ihnen stehen schräg, andere wiederum in Reih und Glied, was Verwunderung auslöst.
Manchmal wirkt die Anordnung unpraktisch, da die Reihen so eng positioniert sind, dass sich die Betrachtenden einzeln durchschlängeln müssen.
Wie kam Beuys zu den Vitrinen?
Obgleich Beuys für zahlreiche seiner Werke Vitrinen verwendete und sogar verschiedene Vitrinentypen kreierte, wurden für Block Beuys keine Vitrinen nach seinen eigenen Vorstellungen angefertigt.1
Einen Teil der verwendeten Vitrinen erhielt der Künstler nach einer Ausstellungstournee der Sammlung Karl Ströhers (1890–1970), die von 1968 bis 1970 dauerte.
Vier Vitrinen in Raum 3 kamen 1970 aus dem Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main. Im selben Jahr schenkte das Nationalmuseum Kopenhagen dem Künstler die Vitrine für Raum 4.2 Die Spindschränke von Szene aus der Hirschjagd (1961) in Raum 2 wurden ab 1970 mit einer Vitrinenhaube geschützt.
Bereits 1968 konnte Franz Dahlem (*1938) Vitrinen aus dem Bayerischen Nationalmuseum in München beschaffen.2 Sie stehen heute in Raum 5 von Block Beuys.
Foto: Vitrinen in Block Beuys, Raum 5, 1970
Wie setzte Beuys die Vitrinen ein?
In Beuys' Wahrnehmung dienten die Vitrinen nicht ausschließlich zum Schutz der darin gezeigten Objekte. Vielmehr erschwerten sie das Betrachten und mahnten zum vorsichtigen Vorbeischreiten. Mit seiner Vitrinenanordnung griff Beuys bewusst in das Verhältnis von direkter Anschauung und Objekt ein.3 Gezielt lenkte lenkte er mit ihr Wege und Blicke. Die Vitrinen dienten nicht einzig der Präsentation, sondern hinterfragten die herkömmlichen Ausstellungsformen des Museums.
In den Vitrinen von Block Beuys selbst herrscht ein ähnliches »Allover« (änliche Verteilung) wie in den Räumen: Die Werke liegen hierarchielos nebeneinander, keines von ihnen wird dramaturgisch hervorgehoben. Johannes Stüttgen (*1945) wählte dafür den Begriff »Organismus«, der mit der Idee der sozialen Plastik von Joseph Beuys korrespondiert.
Die Vitrine Auschwitz-Demonstration in Raum 5 von Block Beuys ist die einzige, der Beuys einen Titel gab.
Foto: Auschwitz-Demonstration, 1956–1964, Block Beuys, Raum 5, Vitrine 4
Welche Bezüge stellte Beuys zum Hessischen Landesmuseum Darmstadt her?
Die Ursprünge des Museumswesens liegen zweifellos in den Raritäten- und Kuriositätenkabinetten bzw. Wunderkammern der Renaissance. Auch das Hessische Landesmuseum Darmstadt steht in dieser Tradition. Es vereint Sammlungen aus der Kunst-, Kultur- und Naturgeschichte unter einem Dach.
Beuys interessierte sich sehr für die interdisziplinären Bestände des Hauses und besuchte hier bevorzugt die Ausstellungen der Naturgeschichte.
Die Vitrinen in den Räumen 6 und 7 von Block Beuys stammen ursprünglich aus der Naturgeschichtlichen Sammlung des Museums.
Im Jahr 1979 ließ sich Joseph Beuys für ein Ausstellungsplakat vor dem berühmten Mastodon in der Erd- und Lebensgeschichte ablichten.4
Foto: Kunst = Kapital Joseph Beuys, 10 Jahre Capital-Kunstkompaß, Galerie Denise René und Hans Mayer, Ausstellungsplakat, Düsseldorf 1979 (Detail)
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Interaktiver Raumplan
(1) Vgl. Gerhard Theewen, Joseph Beuys. Die Vitrinen. Ein Verzeichnis, Köln 1993.
(2) Vgl. Interview Gabriele Mackert mit Franz Dahlem, Dezember 2019.
(3) Vgl. Fiona McGovern, Die Kunst zu zeigen. Künstlerische Ausstellungsdisplays bei Joseph Beuys, Martin Kippenberger, Mike Kelly und Manfred Pernice, Berlin 2016, S. 40. Zusätzlich: Vgl. Brief Eva Beuys, 11.10.1987, Kopie HLMD, o. Archiv-Nr.
(4) Das Foto entstand für das Ausstellungsplakat Kunst = Kapital der Düsseldorfer Galerie Hans Meyer. Diese präsentierte 1979 die drei Künstler Joseph Beuys, Robert Rauschenberg und Andy Warhol gemeinsam.
