Block Beuys im Wandel
Sanierung
Vermessung und Entfernung der Wandbespannung, 2009
Im Jahr 2009 begann unter strengen konservatorischen Vorkehrungen die Auslagerung aller Werke und Vitrinen von Block Beuys in den gegenüberliegenden Gebäudeflügel des 2. Obergeschosses. Zuvor wurden ihre Positionen in den Räumen von einem externen Expertenteam präzise tachymetrisch1 vermessen. Später dienten die ermittelten Daten als Richtwert zur originalgetreuen Wiedereinrichtung des Gesamtensembles, damit ausnahmslos alles an seinem ursprünglichen Standort zurückkehren konnte.
Nach der Auslagerung der Werke wurde die Wandbespannung in allen sieben Räumen von Block Beuys entfernt.
Foto: Abnahme der Jute in Raum 2, 2009
Umbau und Sanierung, 2010–2014
Zwischen 2010 und 2014 wurde Block Beuys saniert.
Die komplexe Umgestaltung umfasste den Einbau einer neuen Klimaanlage sowie die Erneuerung der Oberlichtkonstruktion.
Einen zentralen Bestandteil der Maßnahmen bildete die Wiederherstellung der Vorsatzwände (Wandpaneele) zur Bewahrung des ursprünglichen Raumvolumens (Kubatur).
Die freigelegten Wände wurden neu verputzt und anschließend mit der von Joseph Beuys bevorzugten Gargano-Kalkfarbe gestrichen. Der Wandabschluss wurde grau abgesetzt.
Der Teppichboden in Raum 1, einschließlich der darauf eingezeichneten gelben Linie, die zum Werk Transsibirische Bahn gehört, blieb erhalten. In den übrigen Räumen wurde entschieden, einen neuen grauen Teppichboden zu verlegen und gänzlich auf den zuvor präferierten Estrichboden zu verzichten.
Vor der Wiedereinrichtung erfolgte eine präventive, giftfreie Stickstoffbegasung aller Objekte aus Filz, Holz und Papier zum allgemeinen Schutz vor Schädlingsbefall.
Foto: Leerer Raum 3 in Block Beuys, 2009
Wiedereröffnung von Block Beuys, September 2014
Nach mehrjähriger Umbautätigkeit wurde Block Beuys zusammen mit dem gesamten Museum am 14. September 2014 wiedereröffnet – nunmehr vor »weißen« Wänden.
Aus restauratorischen Gründen war für das Werk Szene aus der Hirschjagd eigens eine neue schützende Vitrine angefertigt worden. Die lichtempfindlichen Zeichnungen und Wasserfarbenblätter in den Räumen 4 bis 7 von Block Beuys ersetzte die Papierrestaurierung durch hochwertige digitale Reproduktionen. Die Originale werden seitdem in der Graphischen Sammlung aufbewahrt.2
Eine weitere öffentliche Diskussion über die neue architektonische Gestaltung von Block Beuys blieb aus. Den Werkkomplex plötzlich in neuer Klarheit und Ruhe präsentiert zu sehen, überzeugte die Fachwelt und das Publikum gleichermaßen.
Foto: Block Beuys, Blick in den wiedereingerichteten Raum 1, August 2014
Konservierung und Restaurierung in Block Beuys
Block Beuys ist als gewachsener Komplex aus sieben Räumen stets als Gesamtheit zu betrachten. Deshalb unterliegen Konservierung und Restaurierung einzelner Werke und Vitrinen weiterhin ganz besonderen Herausforderungen.
Bei einigen Objekten verwendete Joseph Beuys organische Materialien, deren Alterung nicht aufgehalten werden kann: ihre optische Veränderung ist jedoch werkimmanent. Dazu zählt das Ausbleichen von Eierschalfarben, das intensive Vergilben von Zeitungspapieren oder die Modifikation von Lebensmitteln, Wachsen und Fetten. Diese Veränderungsprozesse dokumentiert die Restaurierung in Zustandsberichten.
Foto: Die sich in ihrer Farbe verändernden Eierschalen im Werk BEUYS, 1962, Raum 5, Vitrine 1 (obere Aufnahme) und vergilbte Zeitungen in der Vitrine Szene aus der Hirschjagd, 1961, Raum 2 (untere Aufnahme)
(1) Das tachymetrische Verfahren ermöglicht die präzise Vermessung von Punkten, Entfernungen und Höhenunterschieden. Mit speziellen Instrumenten – dem Tachymeter und der photogrammetrischen Kamera – lässt sich ein dichtes Koordinatensystem aufbauen.
Bevor Block Beuys im Rahmen der Museumssanierung bewegt werden konnte, mussten an jedem Objekt, an jeder Vitrine sowie an architektonischen Elementen, die während des Umbaus unverändert blieben, Messmarken (kleine weiße Papierrechtecke) angebracht und digital erfasst werden. Zusammen bildeten sie ein komplexes Messnetz, das die spätere originalgetreue Wiedereinrichtung des Werkkomplexes in allen sieben Räumen mit höchster Genauigkeit garantierte.
(2) Siehe hierzu Zeichnungen in Block Beuys auf dieser Website.
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