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Beschreibung des Werks:
Neun hoch aufgeschichtete, schräg lagernde Stapel grauer Matten aus Filz bilden eine massive Barriere, die den Eingangsbereich von Raum 2 verengt. Statt Kunst, wie üblich, aus der Distanz zu betrachten, kommen die Besuchenden diesem Werk extrem nah und sind gezwungen, auszuweichen. Bevor Block Beuys im Jahr 1984 um den heutigen Raum 1 erweitert wurde, bildete FOND III den Auftakt des Werkkomplexes. Damals fühlten sich viele durch diese Barriere irritiert, hielten den Ausstellungsbereich für noch nicht fertig aufgebaut und kehrten um.

Jeweils eine Kupferplatte schließt die Filzstapel oben ab. Wenngleich die unteren, für eine zweipolige Batterie erforderlichen Kupferplatten am Boden der Stapel fehlen, erinnern die isolierenden Filzmatten und leitenden Kupferplatten dennoch an den Aufbau einer Volta’schen Säule – eine der ersten elektrischen Batterien. »Diese Filzstapel […] sind Aggregate, die Kupferplatte ist der Leiter. Dadurch entsteht aus der Energie- und Wärmespeicherung des Filzes eine Art Kraftwerk [...] eine statische Aktion«1

Deutung des Werks:
Die gewaltigen Stapel sind nicht nur als abstrakte Formen, sondern auch als Materiallager zu betrachten, das auf Verwertung wartet. Mit der Bezeichnung »statische Aktion« verweist Beuys auf dynamische Prozesse, die von der vermeintlich starren Stapelplastik ausgehen oder in ihr ablaufen. Die Filzmatten speichern Wärme und absorbieren Geräusche. Es findet sogar Bewegung in der Plastik statt, wenn auch für das menschliche Auge nicht sichtbar. Millimeter für Millimeter sinken die schweren Kupferplatten über Jahrzehnte hinweg auf den sich immer weiter verdichtenden Filzschichten ab.

FOND III ist nicht die einzige Stapelplastik in Block Beuys. Auch die benachbarte Arbeit mein und meiner Lieben verlassener Schlaf in Raum 2 besteht aus geschichteten Filzdecken. Sie lagern in einem Holzregal. Zu einem Speicher historischer Ereignisse machte Beuys gefaltete, mit einem Braunkreuz bemalte Zeitungen. Sie finden sich unter dem Titel Stapelplastik in Raum 5, Vitrine 8.

In Block Beuys existieren insgesamt vier Werke mit dem Titel FOND: FOND III und FOND II (10 Teile) in Raum 2, FOND 0 + Eisenplatte in Raum 3 und FOND I (Birnenglas) in Raum 5, Vitrine 8. Trotz des gemeinsamen Titels unterscheiden sie sich stark in ihrer Form und Materialität. Was sie jedoch alle verbindet, ist ihre von Beuys zugedachte Funktion: Sie sind Basis, Fundus, Vorrat, Batterie und Speicher von Energie und Potenzialen.

(1) Georg Jappe, Fond III von Joseph Beuys, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.2.1969.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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