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Beschreibung des Werks:
Ein Einmachglas mit Birnen erwarten die meisten Besuchenden vermutlich eher in einem Vorratsschrank oder in einer Speisekammer als in einer Ausstellungsvitrine für Kunst. Es stellt sich die Frage, ob die inzwischen dunkel verfärbten Fruchtstücke in bräunlicher Flüssigkeit überhaupt noch genießbar sind.
Insgesamt versammelt Block Beuys vier Werke mit dem Titel FOND. Was das unscheinbare Einwecklglas FOND I mit dem massiven Eisenguss FOND 0, den raumgreifenden, kupferüberzogenen Tischen FOND II und der tonnenschweren Stapelplastik FOND III verbindet, ist die Eigenschaft als Fundament, Basis, Vorrat und Batterie.

Deutung des Werks:
Joseph Beuys sprach über die FONDS als Speicher physikalischer, kreativer, aber auch metaphysischer Energien und Potenziale. Das eingemachte Obst von FOND I funktioniert in diesem Zusammenhang wie eine Biobatterie.1 Als Nahrungsmittel liefert es nicht nur körperlich verwertbare Energie, sondern lässt sich auch als geistige Nahrung begreifen, die für den Menschen lebensnotwendig ist.

Des Weiteren handelt es sich bei FOND I um einen Zeitspeicher. Die verderblichen Früchte sind für einen späteren Verzehr im Glas konserviert worden, ihr Zerfall wird hinausgezögert. Genau wie die in derselben Vitrine gestapelten Zeitungen speichert das Einweckglas Inhalte aus der Vergangenheit.2 Möglicherweise ruft es für uns Erinnerungen an Eltern oder Großeltern wach, für die das Haltbarmachen von Lebensmitteln noch etwas Alltägliches war.

Beuys' Birnenglas hat einen biographischen Bezug. Das eingekochte Obst stammt aus dem Vorratsschrank seiner Mutter. Sie soll es ihm nach einer überstandenen persönlichen Krise Ende der 1950er-Jahre geschenkt haben.3

(1) Vgl. Marc Bohlen: Batterie, in: Harald Szeemann (Hrsg.), Beuysnobiscum. Eine kleine Enzyklopädie, Amsterdam, Dresden 1997, S. 46.

(2) Vgl. ebd.

(3) Vgl. Heiner Stachelhaus, Joseph Beuys, München 1987, S. 189.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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