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Beschreibung des Werks:
Mitten in Raum 2 befinden sich zwei mit Kupferblech überzogene Tische sowie ein dazugehöriger Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator. Tische dienen für gewöhnlich dem gemeinsamen Gespräch, dem Essen oder der Arbeit. Für FOND II (10 Teile) verwendete Joseph Beuys Tische aus seinem Arbeitsraum als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.1 Dort standen sie ihm als robuste Arbeitsflächen zur Verfügung. Im Titel FOND schwingen bereits Beuys' Überlegungen von einem Ideen- und Energiespeicher mit. Die zentrale Positionierung der Tische im Raum unterstreicht ihre Bedeutung. Die Hülle aus wertvollem Kupfer veredelt sie und schützt sie wie eine Panzerung. Statt sie aber zu isolieren, sorgt das äußerst leitfähige Metall für einen Energiefluss und Austausch zwischen innen und außen, außerdem zwischen den beiden Tischen selbst, die leicht angeschrägt zueinanderstehen.

Deutung des Werks:
Beuys gestand, dass er zunächst Naturwissenschaftler werden wollte, bevor er sich für die Kunst entschied. Später betrachtete er diese als die eigentliche Naturwissenschaft, wie er sie selbst betreiben wolle.2 Diesen Ansatz verfolgt auch der experimentelle Aufbau unmittelbar neben den beiden Tischen. Der Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator stammt aus der Aktion MANRESA (1966).3 Auf der documenta 4 (1968) setzte Beuys FOND II (10 Teile) unter Strom.4 Drähte verbanden den Generator aus Plexiglaszylindern mit einer Autobatterie, an der ein Funkeninduktor und ein Tesla-Transformator angeschlossen waren. Funken sprangen von der komplexen Apparatur auf die Tische über.5 Der ganze Raum, so Beuys, sei aufgeladen worden.6 Mit diesem Experiment verlieh er den sprichwörtlichen Geistesblitzen und kreativen Funken bildkünstlerische Gestalt.

Menschliche Hirnzellen kommunizieren über elektrische Signale und Spannungsänderungen miteinander. Die wie metaphysische Kräfte wirkenden Energien spielen auch in anderen Werken von Block Beuys eine Rolle – etwa in STELLE (Fettfilzplastik) vollständig mit Hochspannungswechselstrom aufgeladene Kupferplatte in Raum 3.

In Block Beuys befinden sich insgesamt vier Werke mit dem Titel FOND. Trotz des gemeinsamen Titels unterscheiden sie sich stark in ihrer Form und Materialität. Was sie jedoch verbindet, ist ihre von Beuys zugedachte Funktion: Sie sind Basis, Fundus, Vorrat, Batterie und Speicher von Energie und Potenzialen.


(1) Vgl. Eva, Wenzel und Jessyka Beuys, Joseph Beuys. Block Beuys, München 1990, S. 323.

(2) Beuys im Interview mit Helmut Rywelski in Düsseldorf am 18.5.1970, in: Joseph Beuys, Heute ist jeder Mensch Sonnenkönig, Köln 1970, o.S. (S. 8).

(3) 15.12.1966, Galerie Alfred Schmela, Düsseldorf; vgl. Uwe M. Schneede, Joseph Beuys. Die Aktionen. Kommentiertes Werkverzeichnis mit fotografischen Dokumentationen, Ostfildern-Ruit 1994, S. 146–165, hier: S. 148.

(4) Vgl. Veit Loers, Pia Witzmann (Hrsg.), Joseph Beuys, documenta-Arbeit, Kassel 1993, S. 14.

(5) Vgl. Fernsehbeitrag Jef Cornelis zur documenta 4, 1968, Belgischer Rundfunk, Archiv Block Beuys ABB 03-2-05_Ausschnitt

(6) Vgl. Loers, Witzmann, Joseph Beuys, S. 14.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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