MANRESA, 1966
Element 1, Element 2, Element 3
15. Dezember 1966 aus Anlass des Umzugs der Galerie Schmela, Düsseldorf, in einem schwarz gestrichenen Raum
mit Joseph Beuys, dem dänischen Komponisten Henning Christiansen (1932–2008) und dem dänischen Bildhauer und Performancekünstler Bjørn Nørgaard (*1947)
Die akustischen Komponenten von Henning Christiansens Musik- und Sprachstücken wiederholten sich stündlich mit den in der Aktion ablaufenden Ritualen von Joseph Beuys. Parallel dazu versenkte der dänische Bildhauer Bjørn Nørgaard seine Füße in einer Gipsmasse. Mit den erhärteten Blöcken schritt er dann durch den Raum.
Verlauf der Aktion:
In der Raummitte hatte Christiansen »CLIMB UP« auf die Wand geschrieben. Davor entlud Beuys mit Fett gefüllte Luftpumpen, das bis an die Wand spritzte. Weitere Materialien waren ein halbiertes, als ELEMENT 1 bezeichnetes Filzkreuz, ein mit Filz umwickelter Kupferstab, ein Porzellanteller mit einer aus Wachs gekneteten Christusfigur und ein als »Filter« bezeichnetes Gitter. Eine Kiste erhielt die Aufschrift ELEMENT 2, in der sich ein Hochspannungsgenerator, Hasenfell, Spielzeugvogel aus Blech und Glühbirnen befanden.
Beuys vervollständigte das halbierte Filzkreuz mit einer Kreidezeichnung. Dann brachte er die Christusfigur aus der Holzkiste ELEMENT 2, mit dem Filzkreuz ELEMENT 1 in Kontakt. Vom Tonband war mehrmals seine Stimme zu hören, die fragte: »...und Element 3?«
Die Suche nach »Element 3« war als rhetorische Aufforderung formuliert. Mithilfe des Generators, Kupferdrahts und einer Autobatterie erzeugte Beuys sprühende Funken. Wie einen anbetungswürdigen Gegenstand hielt er eine leuchtende Geißlersche Röhre (Gasentladungsröhre) in die Höhe.
Foto: Momentaufnahme der Aktion MANRESA, 1966
Deutung der Aktion:
Die Geißlersche Röhre, in der Gas durch Spannung zum Leuchten gebracht werden kann, betrachtete Joseph Beuys als Metapher für das Zusammenwirken von Geist und Materie, von christlich-religiöser und naturwissenschaftlicher Erkenntnis.
Mit dem Titel MANRESA erinnerte Beuys an den gleichnamigen spanischen Ort, in dem der Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola (1491–1556) im 16. Jahrhundert als Einsiedler zu seinem Glauben gefunden hatte. In der spirituellen Bekehrung des Geistlichen sah Beuys Bezüge zur eigenen Biographie.
Der Mensch müsse durch die Ausbildung seiner sinnlichen und geistigen Wahrnehmung, durch seine Intuition zu sich selbst finden. Beuys beschreibt dies als ein inneres Ringen: »Der Mensch […] muss gewisse Bewegungen vollziehen, gewisse Anstrengungen machen, um sich in den Kontakt zu bringen mit sich selbst. Und das ist ja der wahre Sinn des Wortes ›Kreativität‹. […] Nur wenn er dieses Verhältnis herstellt, kann er von seiner Schöpferkraft sprechen. Denn Selbstbestimmung kann nur ein freies Wesen ausführen.«1
Foto: Beuys MANRESA, Ausstellungsplakat des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, 1996 (Detail)
Werke aus der Aktion in Block Beuys
(1) Vgl. Antje von Graevenitz, Joseph Beuys’ letzte Leitern… (1985), in: Dirck Linck/Martin Vöhler (Hrsg.), Grenzen der Katharsis in den modernen Künsten, Berlin 2009.
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