Beschreibung des Werks:
Das auf einer Schreibmaschine getippte FLUXUS MANIFEST des dänischen FLUXUS-Komponisten Henning Christiansen (1932–2008) fasst die Idee der gemeinsamen Aktion MANRESA zusammen, die er und Joseph Beuys am 15. Dezember 1966 in der Düsseldorfer Galerie Alfred Schmela durchführten.1
Deutsche Übersetzung aus dem Dänischen:2
»FLUXUS MANIFEST
Das ist ein elektrisches Manifest, denn es handelt von Elektrizität
die innendrin herumstreicht, drumrum, also vorbei, daneben, hinter
dem Knie, über Gehirnkiste und hinters Brustbein zum roten
Vibrator, auf und untergestiegen, herauf- und heruntergestiegen
(Beuys fluxus MANIFEST) hat tiefe Wurzeln im dadaiden Formdraht und
setzt sich mit Pauken und Trompeten für das organische nachdenkende
Individuum ein … im MANIFEST kommt Beuys in das Thorwaldsen-Museum.
FLUXUS-Manifest, Joseph Beuys 1966«
Der abschließende Hinweis im FLUXUS MANIFEST, dass Beuys in das Thorwaldsen-Museum nach Kopenhagen komme, geht auf Christiansens Tonspur für die Aktion MANRESA zurück.3 Unter dem Schreimaschinentext ist aus Plus- und Minuszeichen eine Linie getippt, die an die Pole einer Batterie oder eines Stromkreislaufs erinnern.
Die hinter FLUXUS MANIFEST liegende, graue Gummischürze deutet eine menschliche Figur an. »Den ›Kopf‹ bildet dabei ein kleiner Eimer, gefüllt mit Fett. Ein schwarzes Elektrokabel führt in den mittleren Anschluss einer Dreifachsteckdose, die auf der ›Brust‹ der Schürze abgelegt ist.«4
Deutung des Werks:
Das lateinische Wort »Fluxus« bedeutet »das Fließen«. Im Kontext des vorliegenden Manifests bezieht es sich unter anderem auf den elektrischen Energiefluss, der den menschlichen Körper und das Gehirn als Ort des Denkens, als Schaltzentrale der Synapsen verbindet. Auch Knie und Herz – vibrierend hinter dem Brustbein – sind, laut Beuys, an diesem Energiefluss beteiligt.
Beuys und Christiansen hatten sich bereits Anfang der 1960er-Jahre bei Auftritten kennengelernt und wurden zu langjährigen engen Aktionspartnern. Zu ihren gemeinsamen Aktionen zählen >>Hauptstrom>>FLUXUS (1967), EURASIENSTAB. 82 min fluxorum organum (1967/68) oder Celtic (1970/71). Christiansens experimentelle Kompositionen für Orgel sowie seine Toncollagen, die in den Aktionen von Tonbändern eingespielt wurden, bildeten Klangräume für Beuys' auratische Handlungen. Währenddessen unterstützte Christiansens Musik den Rhythmus und das Zeitgefühl des Künstlers.
(1) Vgl. Brief von Henning Christiansen, Archiv Block Beuys.
(2) Übersetzung A. Birkholz-Noak, Berlin, korrigiert durch Ursula und Henning Christiansen, Frühjahr 1988; vgl. Kramer, Klang & Skulptur: der musikalische Aspekt im Werk von Joseph Beuys, S. 43.
(3) 1966 untermalte Henning Christiansen die Aktion MANRESA mit Musik- und Sprachnachrichten: darin enthalten die Bemerkung, das Beuys in das Thowaldsen-Museum nach Kopenhagen komme.
(4) Mario Kramer, Klang & Skulptur: der musikalische Aspekt im Werk von Joseph Beuys, Darmstadt 1995, S. 43.
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