Farbe
Materialeigenschaften:
Viele Materialien in Block Beuys sorgen für eine zurückgenommene, eher triste Farbigkeit des gesamten Werkensembles. Die Objekte erscheinen oft alt oder gar archaisch. Bunte Alltagsgegenstände wie Kinderspielzeug setzen Farbakzente. Auch chemische Stoffe wie Schwefel und Zinnober (gelb, orange) stechen farblich hervor. Eine herausgehobene Bedeutung kommt der Braunkreuzfarbe zu.
Verwendung bei Beuys:
Beuys benutzte Farbe nicht zur gewohnten ästhetischen Verschönerung, sondern inhaltlich. Farbe war für ihn eine geistige Substanz, die man sich »grundsätzlich freischwebend vorstellen muss«.1 In seinem Sinne ist sie Träger von Energie, die die Wahrnehmung schulen und Denkprozesse anstoßen soll. Die rotbraune Schutzfarbe2 verwendete er als Stempelfarbe und für seine Drucke. Mit ihr be- oder übermalte er viele seiner Objekte flächig – zum Beispiel Transsibirische Bahn oder die Schokolade in Schokolade mit brauner Fußbodenfarbe bemalt.
Biographische Bezüge:
Die Reduktion auf vorherrschendes Grau und Braun steht für Beuys keineswegs nur für Krieg und Tod, die er selbst erlebt hatte – sie sollen in der Vorstellungskraft der Betrachtenden auch ein Gegenbild, einen »Regenbogen im Menschen«3 entstehen lassen.
»Braun ist die Erde und gestaute Urfarbe Rot, erdige Wärme, eingetrocknetes Blut«4, die er Braunkreuzfarbe nannte. Oft malte er damit Kreuze als religiöse Symbole. Das Kreuz ist aber auch eine Markierung oder ein Warnzeichen (Krankenwagen, Hilfe für Verletzte). Die sich überlappenden Balken interpretierte er als Überlagerung zweier entgegengesetzter Kräfte und Seinszustände.5
Werke mit Farbe (Auswahl)
»mit Schwefel überzogene Zinkkiste«, 1969
Block Beuys, Raum 3, Vitrine 4
(1) Beuys, in: Joseph Beuys. Gute Cascadeure sind sehr gesucht. Gespräch mit Ludwig Rinn, in: Joseph Beuys. Zeichnungen und Objekte, Kat. Kunstverein Bremerhaven, München 1978, S. 8f.
(2) Die Zusammensetzung konnte in einer Materialanalyse als Tempera mit Eisen-, Zink- und Chrom-Pigmenten identifiziert werden; vgl. Ole Valler, Krzysztof Nast, Barbara Strieder, Peter Scholz, Joseph Beuys und die Braunkreuzfarbe, in: Chemie in unserer Zeit, Nr. 49 (Oktober 2014), S. 30–35.
(3) Beuys im Interview mit Jörg Schellmann und Bernd Klüser 1970/1977, in: Jörg Schellmann (Hrsg.), Joseph Beuys. Die Multiples. Werkverzeichnis der Auflagenobjekte und Druckgraphik 1965–1986, München 1992, S. 11; vgl. Heiner Bastian, Jeannot Simmen (Hrsg.), Joseph Beuys. Zeichnungen, Tekeningen, Drawings, Kat. Museum Boymans van Beuningen, Rotterdam 1979/80, Nationalgalerie Berlin 1980, Kunsthalle Bielefeld 1980, Wissenschaftszentrum Bonn 1980, S. 33.
(4) Beuys, zit. nach: Caroline Tisdall, Joseph Beuys. Coyote, München 1980, S. 14.
(5) Vgl. Christine Demele, Kreuze, in: Marion Ackermann, Isabelle Malz (Hrsg.), Joseph Beuys. Parallelprozesse, Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2011, S. 86.