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Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet, 1964

TV-Ausstrahlung

11. Dezember 1964 im ZDF-Landesstudio Düsseldorf, Live-Übertragung der Aktion im Rahmen des Vorabendmagazins »Drehscheibe«

mit Joseph Beuys, Bazon Brock (*1936) und Wolf Vostell (1932–1998)

Foto: Manfred Tischer, 1964 © Stiftung Museum Schloss Moyland

Verlauf der Aktion:
Beuys hatte einen grob gezimmerten Bretterwinkel aufgestellt und formte in dessen Inneren eine Fettecke aus Margarine. Um die Margarine im Bretterwinkel aufzutragen, musste sich Beuys auf den Boden legen. Fotos zeigen, wie er sich in den Winkel hineinschob. Anschließend verlängerte er die Enden eines Spazierstocks mit Fett.

Namensgebend für die Aktion wurde der Schriftzug Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet, den ein Assistent von Beuys auf Zuruf von Wolf Vostell mit Braunkreuzfarbe auf eine Platte malte.

Foto: Momentaufnahme der Aktion, 1964

© Stiftung Museum Schloss Moyland

Beuys' Verhältnis zu Marcel Duchamp:
Mit dem Schriftzug reagierte Joseph Beuys auf den französischen Konzeptkünstler Marcel Duchamp (1887–1968), der zeitgleich eine Diskussion ausgelöst hatte.

Duchamps aufsehenerregende Ready-mades (Alltagsgegenstände, die zur Kunst erhoben wurden) stellten die herkömmlichen Vorstellungen von Kunst radikal infrage. In einem geheimnisvollen Kalendereintrag begann sich Joseph Beuys mit dem Künstlerkollegen zu messen: »Am 12.5.63 stürzt sich Marcel Duchamp ins Schwert.« Der 12. Mai ist Beuys' Geburtstag. Unbescheiden gab er sich hier als Duchamps Bezwinger aus.

Duchamp sah Kunst als intellektuelles Spiel und glaubte nicht, dass seine Arbeit irgendeine gesellschaftlich relevante Bedeutung hätte. Deshalb erhob er sein Leben zur Kunst. Diese Provokation gipfelte in der Frage, ob Kunstschaffende politisch und sozial tätig sein oder eben, wie Duchamp, schweigen sollten.

Beuys hielt dagegen:
»Während Duchamps Kunst eine Auseinandersetzung mit der Kunst war, ist meine eine Auseinandersetzung mit dem Menschen«.
Das Ready-made funktioniere laut Beuys nur im Museum, durch die »Isolation«. »Wenn […] das normale, anonyme Industrieprodukt im Kunstraum Kunst wird, geht doch daraus hervor, dass real der Künstler derjenige ist, der das Industrieprodukt gemacht hat. Und da das gar kein Einzelner gemacht hat, sondern viele es gemacht haben, geht daraus eigentlich etwas ganz Lapidares hervor: […] der Kunstbegriff muss sich soweit transformieren, dass er alles Gestaltete umfassen kann, auch die heutigen Wirtschafts-­ und Produktionsformen. […] Jeder Mensch ist ein Künstler.«1

Als 1958 einige von Duchamps Ready-mades, z. B. Roue de bicyclette (Fahrrad­Rad), in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen waren, integrierte auch Beuys Gebrauchsgegenstände in seine Werke: z. B. Stuhl mit Fett.

Foto: Schriftplatte aus der Aktion Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet, 1964 (Detail)

Werke aus der Aktion in Block Beuys

Fettecke aus: »Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet«, 1965, Block Beuys, Raum 3

(1) Jeder Mensch ist ein Künstler – Auf dem Weg zur Freiheitsgestalt des sozialen Organismus, 23. März 1978 in Achberg, in: Rappmann, Rainer E. (Hrsg.): Joseph Beuys, Kunst = Kapital, Achberger Vorträge, Wangen 1992, S. 91–92.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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