Block Beuys im Wandel
Einrichtung, Veränderungen und Rettung
Einrichtung und Eröffnung von Block Beuys in Darmstadt
Nachdem Block Beuys bzw. Teile daraus in verschiedenen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen gewesen waren1, begann der Künstler selbst im April 1970 mit der Einrichtung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.
Zuvor hatte der damalige Museumsdirektor Gerhard Bott (1927–2022) das historische Gebäude umstrukturieren und das 2. Obergeschoss ausräumen lassen. Statt mittelalterlicher Altäre setzten dort nun unter anderem die großformatigen Arbeiten der Pop-Art aus der Sammlung Karl Ströher vollkommen neue Akzente. Dem Zeitgeschmack entsprechend, wurden diese Räume mit grauem Teppichboden und einer Wandbespannung aus Jute bzw. Baumwoll-/Stoffbespannung ausgestattet. Joseph Beuys akzeptierte diese Gegebenheiten, obwohl er Zweifel an der Haltbarkeit der Jute geäußert haben soll.
Zunächst füllten seine Werke exklusiv sechs Räume. Raum 1 blieb noch bis 1980 den Gemälden und Objekten von Andy Warhol (1928–1987) vorbehalten. In direkter Nachbarschaft bildete Block Beuys einen starken Kontrast zur bunten Ästhetik des US-Künstlers.
Am 24. April 1970, kurz nach dem 80. Geburtstag Karl Ströhers (1890–1977), wurde Block Beuys als Dauerleihgabe und wichtiger Bestandteil der Sammlung Ströher im Hessischen Landesmuseum Darmstadt eröffnet. Mittlerweise war Block Beuys auf über 253 Werke angewachsen.
Foto: Umbau der Räume im 2. Obergeschoss des Hessischen Landesmuseums Darmstadt mit Vorrichtung für die neue Wandbespannung, 1964
Veränderungen in Block Beuys bis 1984
Die heute in Raum 1 »abgelegte« Transsibirische Bahn hatte Joseph Beuys bis 1984 in Raum 3 untegebracht. Ebenso waren dort die Werke Rückenstütze eines feingliederigen Menschen (Hasentypus) aus dem 20. Jahrhundert p. Chr. und Aggegat direkt neben Bergkönig (Tunnel) 2 Planeten zu sehen. Erst später integrierte er Rückenstütze in eine Vitrine in Raum 7.
LICHAMEN / Körper (Kupfer, Leinwand, Filz) war bis 1984 im heutigen Raum 2 vor Szene aus der Hirschjagd zu finden und verengte dort den Durchgang.
Den berühmten Filzanzug nagelte Beuys erst im Jahr 1971 an eine Wand in Raum 2. Kunstkritiker László Glozer (*1936) dokumentierte dies in seinem Filmessay Wie modern ist die moderne Kunst.
Mit viel Liebe zum Detail kümmerte sich der Künstler um kleinere Schäden in Block Beuys und restaurierte Objekte selbst. Nachdem zum Beispiel eine Tafel Schokolade an einer der Leinwände 115 x 200 und 100 x 180 (damals noch in Raum 3) abgefallen war, fügte er 1973 ein neues Exemplar hinzu.
Foto: Joseph Beuys bei der Reparatur von 115 x 200 und 100 x 200 in Block Beuys, Raum 3, 1973
Rettung von Block Beuys nach Abzug der Sammlung Ströher
Am 26.11.1977 verstarb Karl Ströher. Weil der von ihm ausdrücklich gewünschte Neubau für seine Sammlung in Darmstadt bis dahin nicht umgesetzt werden konnte, entschieden sich seine Erben 1980, einen beachtlichen Teil an die Stadt Frankfurt zu veräußern. Block Beuys blieb davon zwar vorerst unberührt. Um ihn im Hessischen Landesmuseum unverrückbar zu erhalten, mussten jedoch wichtige Entscheidungen getroffen werden.
Im Dezember 1980 kaufte ein anonymer »Freundeskreis Joseph Beuys« den Werkkomplex. gehörte der Kunsthändler Heiner Bastian (*1942) an. Kurz darauf offenbarten sich der Berliner Sammler Erich Marx (1921–2020) und der Londoner Galerist Anthony d’Offay (*1940) als die neuen Eigentümer.
Zwar konnte das Museum schließlich 1984 den Neubau des Architekten Reinhold Kargel (1928–1991) eröffnen, aber Joseph Beuys lehnte einen Umzug seines Blocks dorthin kategorisch ab.
In der Folge war immer wieder die Rede davon, Block Beuys nach München, Frankfurt oder Stuttgart zu geben, was jedoch nie geschah. Nach Beuys’ Tod im Jahr 1986 gab es viel Interesse, Block Beuys in Darmstadt zu erhalten. Dank des kulturpolitischen Engagements der Hessischen Kulturstiftung – mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder – konnte das Gesamtensemble schließlich für 16 Millionen D-Mark erworben werden. 1995 schenkte die Hessische Kulturstiftung Block Beuys dem Land Hessen und sicherte damit seinen dauerhaften Verbleib in Darmstadt.
Foto: »16 Millionen Mark für den Block Beuys«, Presseartikel, Darmstädter Echo, 4.2.1989 (Detail)
Veränderungen in Block Beuys nach 1984
Nach dem Abzug der Sammlung Ströher gewann Joseph Beuys 1984 den heutigen Raum 1 für Block Beuys hinzu, so dass ihm ab sofort insgesamt sieben Räume zur Verfügung standen. Das bot ungeahnte Möglichkeiten, einige zentrale Werke anders zu präsentieren.
So verlagerte Beuys die zuvor in Raum 3 beheimatete Transsibirische Bahn mit Sender (2 x Fettfüße) dorthin. Auch die dazugehörigen beiden Leinwände 115 x 200 und 100 x 180 kamen in Raum 1. Dort stellte er sie rechts und links des Eingangs von Raum 2. Außerdem holte er LICHAMEN / Körper (Kupfer, Leinwand, Filz) aus Raum 2 hierher. In der Weite dieses Raumes konnten sich all diese Werke neu entfalten.
Zusätzlich fügte Beuys das Werk kleines Kraftwerk (1984) in unmittelbarer Nähe zu VAL (Valdrec [t]) und Bergkönig (Tunnel) 2 Planeten in Raum 3 ein. Dort stand es bis 1987. Danach ging kleines Kraftwerk an die internationale Galerie Thaddaeus Ropac. Erst für die Sonderausstellung Kraftwerk Block Beuys kehrte es im Jahr 2020 kurzzeitig als Leihgabe nach Darmstadt zurück. Den ursprünglichen Standort von Transsibirische Bahn in Raum 3 nahm jetzt Doppelaggregat ein.
Foto: kleines Kraftwerk in Block Beuys, Raum 3, Aufnahme von 1984
Herausragendes Werk von Beuys in Block Beuys
Zwischen 1984 und 1986 bot die Installation Das Ende des 20. Jahrhunderts (1983) von Joseph Beuys ein ungewohntes Seherlebnis in Raum 1. Der Künstler arrangierte darin ein monumentales Feld aus präparierten Basaltsteinen, samt rotem Hubwagen, zu einer dichten Landschaft aus Objekten, die in Korrespondenz zu den Werken Transsibirische Bahn und LICHAMEN / Körper (Kupfer, Leinwand, Filz) Endzeitstimmung suggerierten.
Nach Beuys' Tod im Januar 1986 wurde dieses nicht zur Sammlung Ströher gehörende Werk aus Darmstadt an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München abgegeben. Bereits 1984 hatte es der dortige Galerie Verein e.V. (heute PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne) für die Sammlung Moderne Kunst erworben.
Foto 1: Das Ende des 20. Jahrhunderts, Installation in Block Beuys, Raum 1, Aufnahme von 1984
(1) Siehe hierzu auch Block Beuys in anderen Ausstellungen auf dieser Website.
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