Infiltration homogen für Konzertflügel,
der größte Komponist der Gegenwart ist das Contergankind, 1966
28. Juli 1966, Konzert in der Kunstakademie Düsseldorf
mit der US-Cellistin Charlotte Moorman (1933–1991) und dem US-Videokünstler Nam June Paik (1932–2006)
Beuys unterbrach die Aufführung. Die Einladung stammte von Jörg Immendorff (1945–2007), Beuys-Schüler und AStA-Kulturreferent.
Verlauf der Aktion:
Zu Beginn der Aktion schob Beuys einen in Filz eingenähten Flügel in die Aula. Auf dem mit einem Kreuz versehenen Filzüberzug nähte er ein zweites Kreuz aus rotem Stoff. Seine Ohren verstopfte er mit Bienenwachs. Statt auf dem Klavier spielte Beuys mit automatischen Tonerzeugern: Aus seiner Jacke holte er einen Spielzeugrettungswagen und ließ ihn unter dem Flügel hin- und herfahren. Dann zog er eine Blechente auf, die er bereits 1964 in der Aachener Aktion Kukei, Akopee-Nein! eingesetzt hatte, und ließ sie quakend herumlaufen.
Auf eine Schultafel schrieb er: »IN DAS ZIMMER DES CONTERGANKINDES EINGEDRUNGEN HILFT IHM DIE MUSIK DER VERGANGENHEIT ??«
Auf die zweite Tafel notierte er: »DAS LEIDEN / DIE WÄRME / DER KLANG / DIE PLASTIZITÄT« und zeichnete ein halbiertes Kreuz sowie die Zahl 508 – die Anzahl der Besuchenden dieser Veranstaltung. Anschließend schob er den Flügel wieder aus der Aula.
Foto: Momentaufnahme der Aktion, 1966
Joseph Beuys und die Musik:
Beuys spielte selbst Klavier und experimentierte mit verschiedenen präparierten Instrumenten. 1962 entwickelte er die Idee von einem »Erdklavier« – entweder in Form einer Grube, die die Negativform eines Konzertflügels haben sollte, oder in Form eines Instruments aus Erde.1 Für die Wirkung dieser erdverbundenen Musikinstrumente kreierte Beuys den Begriff »Innenton«.
1966 setzte er Infiltration homogen für Cello um. Wie auf dem Foto zu sehen, handelte es sich um ein filzummanteltes Cello für die Musikerin Charlotte Moorman, die bereits ein Jahr zuvor während der Aktion »24 Stunden« aufgetreten war.
Schließlich befestigte Beuys im Jahr 1970 den Filzüberzug an der Wand in Raum 2 von Block Beuys.
Foto: Cellistin Charlotte Moorman mit ihrem filzummantelten Instrument – Infiltration homogen für Cello, 1966 (neben ihr der Künstler Nam June Paik).
Werke aus der Aktion in Block Beuys
(1) Vgl. Mario Kramer, Klang & Skulptur: der musikalische Aspekt im Werk von Joseph Beuys, Darmstadt 1995, S. 15f.
/f/128870/3562x3544/003e4a082c/bb-raum-2_film39-6.jpg)