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und in uns... unter uns... landunter, 1965

24 Stunden

5. Juni 1965 in der Galerie Parnass, zugleich Wohnhaus des Architekten Rolf Jährling, Wuppertal

mit Joseph Beuys, Bazon Brock (*1936), Nam June Paik (1932–2006), Charlotte Moorman (1933–1991), Eckart Rahn (o. A.), Tomas Schmit (1943–2006) und Wolf Vostell (1932–1998)

© Stiftung Museum Schloss Moyland

Zwischen 1949 und 1965 war die Galerie Parnass eine der wichtigsten Anlaufstellen der rheinischen Avantgarde. Unter dem programmatischen Titel 24 Stunden lud Galerist Rolf Jährling (1913–1991) zahlreiche Künstlerinnen und Künstler zu ungewöhnlichen Aktionen ein, die auch auf dem Plakat genannt wurden.

Verlauf der Aktion von Joseph Beuys:
Beuys kauerte oder lag während des 24 Stunden andauernden Ereignisses1 überwiegend auf einer Apfelsinenkiste, die mit einem weißen Wachstuch überzogen war. In einem Kreis um sich herum hatte er Dinge verteilt, darunter ein Tonbandgerät, ein Mikrofon mit Lautsprecher, die Kiste mit Fett aus seiner Aktion Kukei, Akopee-Nein!... in Aachen (1964), Teile des Modells für den Wettbewerb zur Umsetzung eines Denkmals für das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Wurfkreuze (mittelalterliche Handwaffe), ein rostrot bemalter und mit Fett unterkeilter Notenständer mit montiertem Rückspiegel, mehrere Fettkeile, eine Kuchenform sowie eine Filzrolle, die mit einem Hasenfell verlängert war. Die Dauer der Aktion maß Beuys mit verschiedenen Zeitmessern.

Foto: Plakat zur Aktion 24 Stunden, Galerie Parnass, Wuppeertal, 1965 (Detail)

Foto: Ute Klophaus, 1965 © Stiftung Museum Schloss Moyland

Während der Aktion wiederholte Beuys mehrere Handlungen: Er hielt seinen Kopf knapp über dem Fettkeil, ließ seine Füße über dem Boden schweben, gab Laute von sich, nahm sie auf Tonband auf und veranlasste die Projektion eines Filmausschnitts der Aachener Aktion Kukei, Akopee-Nein!...

Sporadisch hob er einen Spaten mit 2 Stielen (2x) auf Höhe seines Herzens. Dann rammte er ihn geräuschvoll in ein Stück Holz. Den Spaten betrachtete er als Herz, die beiden Stiele als Arterien.

Außerdem schlug sich Beuys mit Boxhandschuhen ins Gesicht2 und presste sie danach in eine Hasenbackform. Vom Werk mit dem Titel Tantalus­ (in Anlehnung an den gleichnamigen griechischen König)3 rollte er die Korknadel. Synchron bewegte er seinen Kopf dazu. Des Weiteren hob er eine Tafel mit den Buchstaben PAN XXX ttt hoch, die an Morsezeichen in Notsituationen erinnerten. Einen Notstand deutete auch der Titel und in uns … unter uns … landunter an.

Deutung der Aktion:
In dem während der Aktion eingesetzten Buch 24 Stunden veränderte Beuys in seinem Text naturwissenschaftliche Formeln, strich oder ergänzte Variablen und deutete die Erweiterung rationaler Weltgewissheit an, indem er die Begriffe Anti­Musik und Anti­Chemie den Formeln gegenüberstellte. Wie Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ging Beuys davon aus, dass das Wissenschaftliche ursprünglich im Künstlerischen enthalten war.

Foto: Momentaufnahme der Aktion und in uns … unter uns … landunter, 1965

Werke aus der Aktion in Block Beuys

»3 Wurfkreuze mit 2 Spielstoppuhren«, 1951, Block Beuys, Raum 5, Vitrine 3

(1) Tatsächlich soll Joseph Beuys während der gesamten Aktion als einiziger 24 Stunden wach geblieben sein.

(2) Die hier zum Einsatz gebrachten Boxhandschuhe verwendete Joseph Beuys später in der Aktion Filz-TV, 1966/70 ein weiteres Mal.

(3) Der griechische König Tantalus (auch Tantalos), soll, der Legende nach, gegen die Götter gefrevelt haben. Daraufhin belegten sie ihn mit einem Fluch, der über fünf Generationen seines Geschlechts nicht erlosch. Er selbst erlitt die nach ihm benannten Tantalosqualen.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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