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Kukei, Akopee-Nein!

Braunkreuz, Fettecken, Modellfettecken, 1964

Actions/Agit Pop/De-Collage/Happening/Event/Antiart/L' Autrisme/Art Total/Refluxus

20. Juli 1964, Festival der Neuen Kunst im Audimax der Technischen Hochschule Aachen

© Peter Thomann, 1964

Eva Beuys (*1933) erklärte den Ursprung des ungewöhnlichen Aktionstitels: Ihr Sohn Wenzel habe »Akopee-Nein!« ausgerufen, wenn er nicht mit einkaufen gehen wollte: »einkaufen – nein!«. »Kukei« bedeutete: »Ich gucke« oder »Lass mich gucken«.1

Verlauf der Aktion:
Beuys füllte ein Klavier mit Bonbons, Waschpulver und weiteren Materialien. Danach »bespielte« er es mit einer Bohrmaschine, zeigte Spielkarten und drehte einen Brummkreisel. Beuys berichtete von einer kurzen Begleitmusik mit ultraviolettem Licht , bei der offenbar, wie er sagte, eine Höhensonnenbrille verwendet wurde.

Für den Teil der Aktion Fettecke brachte er eine Blechkiste und eine Herdplatte mit. In der Nähe des Klaviers lagen Stapel gefalteter Zeitungen, die als Stapelplastik oder Batterie betitelt waren. Darauf waren Kreuze mit brauner Farbe gemalt, die Beuys entsprechend Braunkreuzfarbe nannte. In dieser Umgebung hielt Beuys einen etwa einen Meter langen, filzumwickelten Kupferstab über seinen Kopf.

Foto: Momentaufnahme der Aktion in Aachen, 1964 (mit Herdplatte und Blechkiste, im Hintergrund gestapelte Zeitungen)

© Heinrich Riebesehl, 1964

Eklat während der Aktion:
Beuys hatte einen Kanister mit Salpetersäure auf der Bühne, mit der er effektvoll Dampf erzeugen und seine Wärmetheorie demonstrieren wollte.

Die Stimmung kippte, als der Kanister zu Boden fiel und den Anzug eines Studenten bespritzte. Ungehalten schlug dieser Beuys mit der Faust ins Gesicht. Wie zur Besänftigung verteilte Beuys nach kurzer Schlägerei Schokolade an das Publikum. Dann zog er ein Kruzifix hervor, hielt es in die Höhe und schlug demonstrativ mit der rechten Hand darauf ein. Das auf einem zusammenpressbaren Sockel beweglich montierte Kruzifix richtete sich immer wieder auf. Auf einer Zeichnung notierte Beuys hierzu das Wort »Auferstehung«.

Ikonisches Foto entsteht:
Heinrich Riebesehls (1938–2010) Aufnahme des Künstlers mit blutverschmiertem Gesicht, provokanter Kreuzbeschwörung und in die Höhe gerecktem rechtem Arm wurde in den Zeitungen zum Symbol für eine experimentelle, kritische und kämpferische Kunst, die das pralle Leben sucht und den Konflikt nicht scheut. Plötzlich war Beuys in aller Munde.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Weitere Ereignisse:
Der 20. Juli 1964, an dem die Aktion stattfand, war der 20. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler.

Provokativ hatte Bazon Brock (*1936) die Aachener Veranstaltung mit der Frage »Wollt ihr den totalen Krieg?« eröffnet und vom Tonband Fragmente der 1943 gehaltenen Propagandarede von Joseph Goebbels (1897–1945) abgespielt.

Mit einer Gasmaske vor dem Gesicht führte Wolf Vostell (1932–1998) die Performance Nie wieder – never – jamais auf, schüttete gelbes Farbpulver auf die Bühne und forderte das Publikum auf, mit Trillerpfeifen einen symbolischen Exekutionsbefehl zu erteilen.

Foto: Abschrift des Flugblatts zum Aachener Festival von Wolf Vostell, 1964 (Detail)

Filmdokumentation

Turbulentes Fluxus-Happening mit Beuys in Aachen (1964)2

Werke aus der Aktion in Block Beuys

»The 20th July Aachen Fettkiste«, 1964, Block Beuys, Raum 5, Vitrine 7

(1) Uwe M. Schneede, Joseph Beuys. Die Aktionen. Kommentiertes Werkverzeichnis mit fotografischen Dokumentationen, Ostfildern-Ruit 1994, S. 45.

(2) Film: WDR RETRO · Hier und heute »Turbulentes Fluxus-Happening mit Beuys in Aachen«, 7.9.1964 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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