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Beschreibung des Werks:
Die kleine anthropomorphe (wie ein Mensch gestaltete) Figur gehört zu den frühesten bildkünstlerischen Arbeiten von Joseph Beuys. Sie steht allein auf einer rechteckigen Filzfläche und ist komplett aus Verbandsmull gefertigt bzw. damit umhüllt. Ein gebogener Metalldraht ragt an einer Seite auf Schulterhöhe heraus. In Miniatur erinnert dieser Draht an die 1967 von Beuys entworfenen Eurasienstäbe aus Kupfer. Der Künstler hatte sie in der Aktion EURASIENSTAB. 82 min fluxorum organum (1967/68) eingesetzt. Die gekrümmte Spitze ähnelt einem Bischofsstab. Die Mullbinde lässt eine Verletzung vermuten, die zu heilen ist. Vollständig darin eingewickelt, wirkt der Eurasier verpuppt und in sich gekehrt. Die Filzmatte bietet der Figur eine Art Bühne oder einen Aktionsraum, in dem sie sich noch zaghaft bewegt.

Deutung des Werks:
Der Titel des Werks geht auf die zentrale Idee EURASIA (»Eurasien«) von Joseph Beuys zurück, die auch in seiner Transsibirischen Bahn in Raum 1 von Block Beuys Gestalt angenommen hat. »Eurasien« ist die Landmasse, die sowohl das geografische Europa als auch Asien umfasst.
Inspiriert vom Anthroposophen Rudolf Steiner (1861–1925) glaubte Beuys an die Utopie eines offenen Raumes zwischen Ost und West, ohne ideologische Grenzen. Seine utopsche Absicht war, nicht nur Ost und West und damit auch das geteilte Europa, sondern auch Intuition und Intellekt, Spiritualität und Rationalität zu einer gesellschaftsverändernden Kunst der Menschlichkeit zu vereinen.1
Den damit einhergehendem schmerzlichen Prozess des Rückzugs (Verpuppung) und Innehaltens, den Beuys in seiner Biographie selbst durchlitten hatte, betrachtete er als unerlässliche Voraussetzung. Er stehe dem Prozess der Verwandlung und Entwicklung – einer Transformation im kleinen und großen Maßstab – gegenüber. Beide Prozesse durchdringen und bedingen einander. Sie erzeugen Bewegung. Im kleinen Eurasier und in der großen Idee EURASIA finden sie ihren Widerhall.

(1) Vgl. Barbara Strieder, Joseph Beuys und die Figur des Schamanen, in: Joseph Beuys und die Schamanen, Kat. Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau 2021, S. 18ff.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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