Beschreibung des Werks:
Insgesamt finden sich in Raum 2 von Block Beuys, gleich drei Werke mit dem Titel Eurasienstab: neben Eurasienstab mit 4 x 90 Grad Filzwinkel (I), auch Eurasienstab mit 1x 90 Grad Filzwinkel und Eurasienstab mit 4 x 90 Grad Filzwinkel (II).
Durch ihre gebogenen oberen Enden erinnern die Stäbe an Hirten- oder Bischofsstäbe, die imposant in die Höhe ragen Jeder Stab lehnt in einem mit Filz bezogenen Winkel-Futteral schräg an der Wand. Die Stäbe verbinden erneut Kupfer und Filz als leitende bzw. isolierende Materialien. Auch bei Beuys' kleiner Skulptur Eurasier in Raum 5 spielt Metall eine Rolle: An einer Seite ragt auf Schulterhöhe ein gebogener Metalldraht heraus.
Deutung des Werks:
Das namensgebende EURASIA (»Eurasien«) ist eine zentrale Idee in Joseph Beuys' Werk. Es beschreibt die Utopie eines offenen Raumes ohne ideologische Grenzen. Nach seiner Erfahrung des Zweiten Weltkriegs – und angesichts des Kalten Krieges – propagierte Beuys die Versöhnung der Gegensätze zwischen Ost und West, die er in einer anthropologischen, gesellschaftsverändernden Kunst der Menschlichkeit vereinen wollte.1 Auf diese Vision spielt die bereits 1961 entstandene Transsibirische Bahn in Raum 1 von Block Beuys an.
Doch erst in der Aktion EURASIENSTAB. 82 min fluxorum organum, die Beuys 1967 in Wien und 1968 in Antwerpen durchführte, vermochte er seine übergreifende plastische Theorie zu demonstrieren und die gleichnamigen, nunmehr in Block Beuys abgelegten Werke aus Kupfer und Filz in der zuvor beschriebenen Metaphorik in Bewegung zu setzen.
(1) Vgl. Philip Ursprung, Joseph Beuys. Kunst Kapital Revolution, München 2021, S. 97ff. und Beuys, in: Interview mit Joseph Beuys, 9.12.1984, 14–19.00 Uhr in Beuys’ Atelier Drakeplatz 4, Düsseldorf, in: Mario Kramer, Joseph Beuys, Das Kapital Raum 1970–1977, Heidelberg 1991, S. 9–41, hier: S. 35.
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