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Beschreibung des Werks:
Das Werk geht auf eine Jagdtrophäe zurück. Es handelt sich um zwei Hörner eines afrikanischen Nashorns, die Beuys als Auftragsarbeit zunächst mit einer genieteten Manschette auf Stangen montierte und im Garten des Jägers in der Nähe von Wuppertal aufbaute.1 An den Hörnern befestigte er Schläuche mit Kupferdrähten, die wie dicke Verbindungskabel herabhingen. Im Freien sahen sie aus wie Sendestäbe oder Messfühler. Nach einigen Jahren nahm Beuys Abgüsse von den Hörnern.2 Die Darmstädter Exemplare entstanden im Jahr 1970.3 In Block Beuys entschied er sich für eine liegende Präsentation des Werks in einer eigenen Vitrine. Die verschlungenen Schläuche mit eingetrockneten rotbraunen Rückständen im Inneren verhalten sich wie ein Kreislaufsystem von Adern.

Deutung des Werks:
Mit derartigen Systemen verband der Künstler die Zirkulation von Ideen und gesellschaftlichen kreativen Prozessen.4 In Anlehnung daran ließ Beuys auf der documenta 6 in Kassel (1977) durch ein über mehrere Räume verteiltes Schlauchsystem Honig zirkulieren: seine berühmte Honigpumpe am Arbeitsplatz.

Das Jahrhunderte lang als exotisches Ungetüm betrachtete Nashorn beeindruckte die westliche Welt. Spätestens mit Albrecht Dürers (1471–1528) Holzschnitt Rhinocerus (1515) fand es Einzug in die Kunstgeschichte. Das Horn als markante Verteidigungswaffe des Tieres ist nicht nur als Trophäe, sondern auch wegen seiner angeblich heilenden Wirkung eine begehrte, mittlerweile streng verbotene Handelsware. Großtierjagden und zügellose Wilderei bedrohen das Tier bis heute.

Die Vitrine, in der das Werk in Block Beuys präsentiert wird, verweist auf einen bestimmten Umgang des Menschen mit seiner Umwelt. Irrtümlicherweise glaubt er, diese zähmen, kategorisieren und beherrschen zu können. Die Hörner fordern dagegen auf, über unser ambivalentes Verhältnis zum Tier und zur Natur nachzudenken.

(1) Vermittelt wurde der Auftrag über die Frau des Jägers. Als Kunstsammlerin stand sie in Kontakt mit Beuys’ Galeristen Alfred Schmela, der Beuys um Entwürfe bat. Nach zwei Skizzen erhielt Beuys den Auftrag; vgl. Brief Adolf von Ribbentrop, 1995, Archiv Block Beuys.

(2) Vgl. Eva, Jessyka und Wenzel Beuys, Joseph Beuys. Block Beuys, München 1990, S. 338f. Vgl. Eva Beuys, Beuys Düsseldorf, Oberkassel Drakeplatz 4, Düsseldorf 2016, S. 130.

(3) Gerhard Theewen, Joseph Beuys. Die Vitrinen. Ein Verzeichnis, Köln 1993, S. 121.

(4) Vgl. Veit Loers, Pia Witzmann (Hrsg.), Joseph Beuys, documenta-Arbeit, Kat. Fridericianum Kassel, Ostfildern-Ruit 1993, S. 157–166.

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Hochspannungs-Hochfrequenz-Generator und FOND II (10 Teile), 1968, in Raum 2

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