Joseph Beuys
Zeichnungen und andere Blätter aus der Sammlung Ströher
30. Juni – 20. August 1972
Ausstellung im Vorraum von Block Beuys, 2. OG, mit Ausstellungskatalog
Rahmenprogramm zu Ausstellung: u. a. Filmvorführungen »Die Klasse von Joseph Beuys« (1971, SR) sowie »EURASIENSTAB« (1968)
Im April 1970 wird Block Beuys, zunächst in sechs Räumen des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, als elementarer Bestandteil der Sammlung Karl Ströher (1890–1977) eröffnet. Nur zwei Jahre später setzen Museumsdirektor Gerhard Bott (1927–2022) und sein Kustos für die Moderne Kunst, Hans Martin Schmidt (*1936), eine erste, den Werkkomplex bereichernde Sonderausstellung mit graphischen Arbeiten des Künstlers Joseph Beuys um.
Mit ihrem kuratorischen Ansatz vereinen sie die fest in Block Beuys integrierten 26 Blätter mit weiteren aus der Sammlung Ströher. Insgesamt zeigen sie 96 Bleistiftzeichnungen sowie Pinselzeichnungen mit Öl- und Deckfarben, die Beuys zwischen 1947 und 1958 angefertigt hat. In diesen Zeitraum fällt auch seine schwere persönliche Krise.
Details über die Ausstellung:
Im Katalogtext verweisen beide Kuratoren auf das Neue, Andersartige und Provokante des Künstlers Joseph Beuys, die dem damaligen Publikum einiges abverlangt. So spricht Gerhard Bott über den »um Verstehen Bemühten«1, der sich nicht nur mit dem Darmstädter Block Beuys auseinandersetzen, sondern auch seine konventionellen Seh- und Denkgewohnheiten bei der Betrachtung der Zeichnungen überwinden müsse. »Die Blätter erwecken […] den Eindruck beiläufig entstandener privater Notizen.«2 Allein dem von Beuys verwendeten zerknitterten, vergilbten Papier, oft aus Kladden und Schreibheften herausgerissen, haftet etwas Nebensächliches an.
Diesem Gefühl widersprechen die in den Arbeiten aufgegriffenen Themen und Motive, die Beuys' unverwechselbare »Akzentuierung individuellen Seins «3 offenlegen. In den Zeichnungen beschäftigen ihn existentielle Fragen des Menschen, die um Geburt und Tod, Werden und Vergehen kreisen. Viele davon »gelangen erst durch [den Titel] in einen geistigen [Zusammenhang], von dem aus sie sich erschließen lassen.«4 Trotz autobiographischer Bezüge erfindet Beuys eine zeitlose Bildsprache, die weit über seine subjektive Kreativität hinausweist.
(1) Gerhard Bott in: Vorwort zur Ausstellung Joseph Beuys – Zeichnungen und andere Blätter aus der Sammlung Karl Ströher, Darmstadt 1972, S. 2
(2) Hans Martin Schmidt in: Ebd., S. 3.
(3) Ebd. S. 3.
(4) Ebd. S. 3.
/f/128870/3562x3544/003e4a082c/bb-raum-2_film39-6.jpg)